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Weiß und unschuldig? Das unsichtbare QM Schillerpromenade

QM Schillerpromenade Schild weiss übermaltEs gibt keinen Hinweis mehr darauf, was in der Schillerpromenade Nummer 10 auf das Vorortbüro der Brandenburgischen Stadterneuerungsgesellschafts mbH (BSG) hinweist. Die Niederlassung, auch bekannt als Quartiersmanagment Schillerpromenade, scheint nicht mehr da zu sein. Die Experten für die Sanierung von Gebäuden und für Stadtentwicklung bemühen sich seit Jahren in Nord-Neukölln möglich unsichtbar zu sein. Die Öffnung des Tempelhofer Feldes und vor allem die Veröffentlichung des sogenannten Strategierkonzeptes „TFO – Task Force Okerstraße“ im Frühjahr 2009 brachte allerdings sehr viel mehr Öffentlichkeit, als den Verantwortlichen lieb war. Und jetzt hat das Vorortbüro der BSG einen hübschen neuen Anstrich. Doch weiß steht den informellen Netzwerker_innen zur sozialen Auf- und kommerziellen Verwertung des Kiezes gar nicht.

Schließlich ist es vor allem die BSG / das QM Schillerpromenade zu verdanken, daß marginalisierte Menschen aus dem Kiez vertrieben werden. Statt, wie andere Befriedungsprojekte im Rahmen des Projektes Soziale Stadt der Europäischen Union, sich um soziale Belange und Teilhabe im Quartier zu kümmern, hat die Architektin Schmiedeknecht seit 1999 alles dafür getan, daß die Bewohner_innen nicht beteiligt werden. Die zwei Stadtteilversammlungen, die es erst 10 Jahre seit dem Engagement des QMs im Schillerkiez stattfanden, wurden zum Teil klandestin organisiert und erst die breite Mobilisierung engagierter Anwohner_innen sorgte für nahezu repräsentative Besucher_innen.

QM Schillerpromenade Schild weiss übermaltDer Höhepunkt der Intransparenz und Verweigerung die sozialen Probleme als auch solche zu behandeln war allerdings zum einen das Papier zu einen vernetzten Vertreibung marginalisierter Menschen aus dem Kiez und die Kündigung des Vereins Integra e.V., der erfolgreich und solidarisch mit Rroma Familien zusammenarbeitete. Dieses Verhalten engagierte Menschen mit Repression und Kriminalisierung zu begegnen ist allerdings keine Erfindung von Schmiedeknecht, des QMs und schon gar nicht der BSG. Diese Art der informellen Bestrafung von Kritiker_innen und nonkonformistischen Menschen ist seit Jahren Teil der politischen Kommunikation im Rathaus Neukölln.

Für Heinz Buschkowsky, seit beinah zwanzig Jahren in der politischen Landschaft und der Verwaltung in Neukölln engagiert sowie seit circa 10 Jahren Bürgermeister des Stadtbezirks, gibt es keine respektvolle Auseinandersetzung auf gleicher Höhe, sondern lediglich informelle Verordnungen von oben nach unten. Was er stadtpolitisch „soziale Kontrolle“ nennt, entspricht politisch und verwaltungstechnisch absolutistisch Anordnungen. Die Menschen wie die Beamt_innen im Kiez haben seinen Befehlen zu gehorchen und seinen sozialchauvinistischen und populistischen Müll gefälligst devot zu schlucken.

Wer nicht spurt oder sich vereinnahmen läßt, wird, wenn möglich seinem existenziell notwendigem Auskommen beraubt, kriminalisiert, interniert oder sogar vertrieben. Letztere forcierte der antiziganistischen Migrationsbeauftragte Arnold Mengelkoch im Umgang mit Rroma Familien im Kiez. Sein Konzept zur repressiven „Netzwerkarbeit und interkulturellen Integration“ ausdem Jahr 2008 sollte Ämter, Sicherheitsbehörden und den städtischen Nahverkehr zur Überwachung marginalisierter Menschen zusammenführen und unter den Attributen „unmittelbar, direkt, operationalisiert“ (UDO) die Interventionen koordinieren. Dieser vernetzte Ansatz findet sich nur ein halbes Jahr später bei Schmiedeknecht fast 1-zu-1 wieder, heißt nun aber TFO.

So sah das Büroschild 2009 aus

Und sie haben es geschafft – Kirsten Heisig, die Mutter des sogenannten „Neuköllner Modells“ zur schnelleren Kriminalisierung vermeintlich auffälliger Jugendlicher, Heinz Buschkowsky, der Patriarch von Neukölln mit seiner „sozialen Kontrolle“ und Arnold Mengelkoch, der anti-emanzipatorische, xenophobe und antiziganistische Apokalyptiker – die marginalsierten Menschen werden aus Nord-Neukölln vertrieben. Das Vorortbüro der Experten für Gebäudesanierung und Stadtsanierung, die sich in den Neuköllner Quartiersmanagmentbüros verstecken, muß nicht mehr zu sehen sein.

Die Bewohner_innen im Kiez haben die Akteure nie interessiert. Wozu sichtbar sein, wenn es doch nur darum geht Investment in den Kiez zu bringen. Der Markt ist unsichtbar, so wie das QM Schillerpromenande neuerdings. Menschen allerdings und ihre Bedürfnisse brauchen Öffentlichkeit. Die BSG, das QM und Schmiedeknecht allerdings nicht. Der Schritt des Weißtünchens der Fassade ist nur konsequent.

Obwohl… Kinder sind ein großes Interesse des QMs. So wird am 3. September zwischen 14 und 18 Uhr erneut ein Stadtteilfest stattfinden. Pikanterweise laden die Gentrifizierungsorganisator_innen im Auftrag der BSG zeitgleich zur Mietenstopp-Demo, die um 14 Uhr am Hermannplatz startet. Womöglich glauben die politischen und ökonomischen Akteur_innen sowie die Verwaltung, daß die autonomen Horden und die „Kieztaliban“, wie der Tip aktuell schreibt, das letzte Okerstraßenfest zum Desaster machten. Mal sehen, wie dieses Fest wird. Vielleicht gibt es ja auch kurzfristige Routen-Änderungen der Demo. Schließlich paßt das Motto „Jetzt reicht’s“ vorzüglich in den Schillerkiez und auf jede QM Veranstaltung.

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